Make love, not war

Kognitive Kriegsführung in der Fußgängerzone

Wer heute durch deutsche Städte läuft, begegnet der Bundeswehr nicht mehr nur in Nachrichten oder historischen Dokumentationen. Ihre Werbung hängt an Bushaltestellen, klebt an Bahnhöfen, erscheint zwischen Instagram-Reels und TikTok-Clips und wird schick designed mit personalisiertem Namensschildchen an 16- und 17 jährige per Post geschickt. Die Werbekampagnen der Bundeswehr sind wieder Teil des öffentlichen Alltags geworden – professionell inszeniert, emotional aufgeladen und gezielt auf junge Menschen zugeschnitten. Agenturen, die normalerweise Fashion, Supermarktketten oder Banken emotional aufladen, vermarkten heute Krieg, Wehrdienst und Aufrüstung mit denselben psychologischen Methoden. Ermöglicht wird das auch durch die immens gestiegenen Rüstungsausgaben, von denen ein paar Krümmel auf PR-Kampagnen abfallen (2025 waren es 60 Millionen Euro für Marketing).

Die Sprache, mit der diese Werbung arbeitet, erzeugt ein Bedrohungsszenario, das selten konkret benannt wird. „Freiheit verteidigen“, „Verantwortung übernehmen“ oder „für unsere Sicherheit kämpfen“ – Es entsteht ein diffuses Gefühl permanenter Gefahr: als stünde die Bevölkerung ständig kurz vor einem Angriff, gegen den nur militärische Stärke helfen könne. Diese Form der Kommunikation ist nicht mehr fern vom orwellschen Neusprech. Krieg ist Frieden! – Das Aufblasen der Worthülsen wie Frieden, Sicherheit oder Freiheit wird gezielt genutzt, um Aufrüstung oder gar Auslandseinsätze moralisch unangreifbar erscheinen zu lassen, während durch das Spiel mit der Angst der Rezipient gelehnt werden soll. Diese Entwicklung führt in eine gefählriche Richtung. Die Militarisierung des öffentlichen Raums muss hinterfragt werden. Wenn Bushaltestellen zu Rekrutierungsflächen und über „soziale“ Medien militärische Narrative verbreitet werden, betrifft das nicht nur die Bundeswehr – sondern die Frage, welche Werte eine Gesellschaft nach außen tragen und welche Zukunft sie jungen Menschen anbieten möchte. Was würde man hin und wieder dafür geben, mal eine echte Friedensbotschaft in den Straßen zu sehen, statt Soldaten und Kampfmaschinen, die inszeniert sind, als kämen sie aus einem Ego-Shooter.

Wir möchten hier eine kleine Gegenkampagne vorschlagen: öffentliche Werbeflächen nicht mit weiteren Droh- oder Feindbildern füllen, sondern mit einem einfachen Symbol – dem Peace-Zeichen. Als Erinnerung daran, dass Frieden nicht durch Abschreckung erreicht wird, sondern durch Liebe, wahrhaftigen Willen zum Frieden, Diplomatie und den Mut, Militarisierung nicht als Normalzustand hinzunehmen.

Weitere Inspiration für Motive und Slogans werden natürlich gern entgegengenommen!

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